Vom Ende und vom Anfang


Wieder einmal neigt sich das Jahr seinem Ende zu. Und wieder einmal ist der bevorstehende Jahreswechsel für viele die Zeit, auf Vergangenes zurückzublicken, Bilanz zu ziehen und gleichzeitig auszublicken in die Zukunft und sich – im günstigsten Fall - auf einen Neubeginn zu freuen.

Das neue Jahr liegt vor einem wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Es wartet darauf, dass wir neu anfangen, uns motiviert und gestärkt aufmachen, unser Leben mit unserer Handschrift möglichst gut zu gestalten.

Im Leben sind wir ständig damit beschäftigt, Abschiede unterschiedlichster Art zu bewältigen. Dabei haben wir es – Gott sei Dank – nicht immer mit den schlimmsten Erscheinungsformen zu tun. Aber auch die kleinen, banalen Dinge können uns ganz schön herausfordern.

Für mich ist es jedes Jahr traurig, von Sommer, Sonne und Wärme Abschied nehmen zu müssen, wenn es in den Herbst geht. Ich mag absolut keinen Winter und freue mich schon Ende Oktober auf die ersten warmen Tage im kommenden Frühjahr. Nur mit dem tröstenden Ausblick auf kommende Sommertage kann ich winterlich Nässe und Kälte ertragen.

Wenn Kinder flügge werden und sich aus dem Elternhaus verabschieden, dann endet die Kindheit. Sie müssen lernen, im Alltag auf eigenen Füßen zu stehen ohne den Schutz und die Fürsorge von Mama und Papa. Diese wiederum müssen, wollen sie in der neuen Situation nicht scheitern, ihren Leben ebenfalls neu ordnen und einen Neuanfang in der Zweisamkeit finden.

Oft müssen wir uns von Träumen und Illusionen verabschieden und uns der Realität stellen. Möglicherweise erlebt ein Jugendlicher im Schulpraktikum seinen vermeintlichen Traumberuf als absoluten Albtraum. Er weiß jetzt genau, dass der Weg, den er sich bisher als verheißungsvoll ausmalt, nichts für ihn ist. Doch was nun? Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als den oft schmerzlichen Prozess der Neuorientierung gehen. Und wir alle wissen, wie viele Lebensträume bei jedem von uns im Laufe der Jahre schon geplatzt sind….

Manchmal zwingt uns Krankheit dazu, unser Leben neu zu ordnen. Meine Cousine kann wegen einer seltenen Hautkrankheit keinerlei Sonneneinstrahlung vertragen. Es ist schlimm für sie, auch im Hochsommer jedes Stück Haut bedecken zu müssen. Schwimmbadbesuche und Strandurlaube sind nicht möglich. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen und macht neue Pläne: Radwandern und Städtereisen wären Alternativen, sagt sie.

Ein weiteres Beispiel: Mit zunehmendem Alter merken wir, wie unsere körperlichen und geistigen Kräfte zu Ende gehen. Wir schaffen es nicht mehr, das große Haus mit Garten zu bewirtschaften. Oftmals verschließen wir uns dann dem nötigen Abschied vom Bisherigen und verweigern unseren Aufbruch in neues Leben unter geänderten Vorzeichen. Dabei läge vielleicht gerade in dem Umzug in eine kleine, bequeme Wohnung für uns die Chance auf ein von vielen Lasten und Sorgen befreites, unbeschwertes Leben.

Unser Leben kann nur dann gelingen, wenn wir bereitwillig Altes loslassen und mutig auf Neues zugehen. Dabei können wir uns immer auf Gottes Hilfe verlassen. Bitten wir ihn um die nötige Kraft und um seinen Schutz, wann immer es gilt, Abschiede zu akzeptieren und Neues zu wagen!

Andrea Reinmann

Andrea Reinmann Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Gemeindesekretärin
Andrea Reinmann
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66538 Neunkirchen
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