Gemeinschaft der Glaubenden


Gemeinschaft stärkt oder Gemeinschaft stärken, wo stehen wir in unserer Gemeinde? Erleben Sie unsere Gemeinde als Ort der Stärkung, oder ist Ihnen unsere Gemeinde wichtig als eine Gemeinschaft, die Sie mit Ihrer Kraft und Ihrem Engagement stärken wollen?

Die Gemeinschaft der Christen lebt davon, dass die Menschen untereinander Anteil geben an ihrem Leben, ihrer Zeit, Kraft, ihren Gaben, ihrem Besitz, ihren Erfahrungen, ihrem Wissen, u.v.m.. Sie fördern das Leben der anderen, suchen das Wohl und die Freude der anderen, so dass sie selbst und die anderen in eine Gemeinschaft hineinwachsen, die einander trägt. In der Urchristenheit suchen die Christen Christus ähnlicher zu werden, indem sie einander ermuntern, ermutigen, trösten, mitfühlen, Barmherzigkeit und Herzlichkeit zeigen, die Hoffnung und Freude miteinander teilen, - und so füreinander da sind. Gesinnt sein wie Jesus.

Ist das für unsere Zeit nicht ein Maßstab, dem wir so grundsätzlich gar nicht mehr gerecht werden können, denken wir nur an die Arbeitswelt, die Währungskrise, die Umwelt und den Globalisierungsprozess. Haben sie nicht auch schon einmal den Satz ausgesprochen: „…und das bei Kirche“.

Die Veranschaulichung einer Gemeinschaft geben uns fliegenden Gänse, in der die Einzelnen die Gemeinschaft und die Gemeinschaft die Einzelnen stärkt. Die Gänse fliegen immer in einer Formation, die den Umriss eines „V" hat. Auf diese Weise gelingt es ihnen, sehr weit zu fliegen, viel weiter als ein einzelnes Tier es könnte; sie erreichen dabei eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer. Und wie geschieht das? Das Tier, das die Formation anführt, erzeugt ein Vakuum, das für die nachfolgenden einen Auftrieb schafft, sodass diese mit weniger Kraftaufwand fliegen können. Und sobald die führende Gans ermüdet, nimmt eine anderer ihre Stelle ein, bis jene ausgeruht und an der Reihe ist, den Zug anzuführen.

Wenn eine Gans unterwegs verletzt wird oder sogar erkrankt, sodass sie nicht mehr mithelfen kann, geht eine andere mit ihr zu Boden und bleibt an ihrer Seite, bis sie zusammen den Flug wieder aufnehmen können - allerdings, wahrscheinlich nicht mit 120 Stundenkilometer.

Mir erscheint das Phänomen des „V-Flugs“ der Gänse eine hilfreiche Parabel für die Gemeinschaft in unserer Kirchengemeinde. Die  Parabel zeigt, worauf es zu achten gilt, ohne den Einzelnen oder die Einzelne von uns zu über- oder unterfordern?

Es gäbe einen ganzen Katalog an unendlich vielen Hinweisen für ein gelingendes Leben miteinander aufzustellen, um jedweder Situation in unserer Gemeinde gerecht zu werden. Das genau ist nicht gefragt. Wir haben genug Beispiele aus unserem eigenen Leben und aus der biblischen Tradition, die es zu übersetzen gilt, um einander gerecht zu werden. Wertschätzung und Achtung einer jeden und eines jeden Einzelnen in seinen ureigenen Erfahrungen gibt dem Leben die Vielfalt, die Gott in seine Schöpfung hineingelegt hat, damit wir sie miteinander teilen. Dann geht es darum global zu denken und lokal zu handeln, im Kleinen das Große und im Großen das Kleine zu entdecken, Gott im Menschen zu suchen und das Menschliche in Gott. Dann stärkt Gemeinschaft jeden Einzelnen und jeder Einzelne stärkt die Gemeinschaft. Gesinnt sein wie Jesus.

Christiane Rolffs


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