06. April 2017

Mitten im Leben


Die Neunkircher Tafel – damit Armut nicht verstummt und auch nicht unter den Tisch gekehrt werden kann. Fast in jeder Woche bin ich mit den Menschen der Tafel, Ehrenamtlichen, Nutzern oder dem leitenden Sozialarbeiter Thomas Mörsdorf (Caritasverband) im Gespräch, Grund genug Aktuelles zu berichten:

Getragen wird die Tafel in Neunkirchen von Caritas und Diakonie und durch Zuschüsse der Stadt, seit über dreizehn Jahren wirkt sie als „Basisarmutsbekämpfung“, kämpft mit und für Menschen gegen die Ohnmacht der Armut. Denn wenn die 62 reichsten Menschen der Welt so viel besitzen wie 3,6 Milliarden der Weltbevölkerung (oxfam-studie 2016), dann brauchen wir eigentlich nicht lang zu überlegen, um zu wissen: ohne Umverteilung werden auch Menschen in unserer Mitte zunehmend verarmen. Oft werden arme Menschen stumm, denn Armut macht sprachlos, weil sie Hilflosigkeit in vielen Lebensbereichen auslöst. Oder wie es der Armutsforscher Professor Butterwegge gern sagt: „Armut versteckt sich, Reichtum ist scheu wie ein Reh.“

Um dagegen anzukämpfen sind viele Ehrenamtliche Woche für Woche unterwegs: 81 Supermärkte werden wöchentlich angefahren, um Lebensmittel einzusammeln, die sonst unbesehen auf dem Müll landen würden.

Dann werden die Lebensmittel sortiert, Gemüse und Obst werden gereinigt, alles wird portioniert: auch Brot, Milchprodukte gehören dazu. Wenn die Tafel öffnet, wird gerecht an alle Nutzer verteilt, was da ist. Dann wird gesäubert und aufgeräumt, oft schon für die nächste Ausgabe vorgearbeitet. Ebenso wird ein Lager geführt, um auch dann ausgeben zu können, wenn nicht ausreichend Lebensmittel eingehen.

Die vielen Ehrenamtlichen geben der Tafel ihr Gesicht. 2016 wurden rund 15.000 Lebensmittelpakete ausgegeben. 3500 Personen sind als Tafelnutzer angemeldet. Sie könnten alle wöchentlich kommen, brauchen dies Angebot aber nicht alle jede Woche. Um es am Beispiel der dienstäglichen Familienausgabe zu verdeutlichen: rund 400 Haushalte sind angemeldet, circa die Hälfte der Familien stehen dienstags im Hof der Tafel, weil sie sonst nichts zu essen hätten.

Tja, dieser Hof der Tafel: Wieviel Begegnung möglich wird durch gemeinsame Wartezeit! Dort kommt man ins Gespräch, auch mit Händen und Füßen, wenn erforderlich. Ein emotional bewegender Moment dieses Miteinanders war kurz vor Weihnachten die Schweigeminute für die Opfer des Berliner Weihnachtsmarktattentats – wenn über 100 Menschen verschiedener Nation und Religion miteinander bedenken, dass Gewalt sinnlos und nie eine Lösung ist und über eine Minute schweigen, dann sagt das mehr als manch lange Rede!

Der Umzug ist vollzogen: vom Saal im Pauluszentrum in die Heizengasse 1. Hinter den Räumen des Wochenspiegels füllt sich das Haus mit Menschen und Waren, Die Personalräume sind separat. So werden hoffentlich alle Nutzer der Tafel einen gastfreundlichen Ort entdecken, der ihnen hilft, trotz Armut nicht sprachlos zu werden!

Wir als Kirchengemeinde können vielfältig helfen, auch mit unserem Bewusstsein für gerechte Verteilung von Gütern und Gaben Gottes. Sie wissen ja: JEDER GIBT, WAS ER KANN! (Motto der Tafelbewegung)

Britt Goedeking





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