03. August 2017

Sommer – Sonne – Eis Essen


Was für die Einen ihre Stammkneipe ist, ist für mich „mein Eiscafé“. Ich liebe Eis! Am liebsten mit Sahne. Mitten im Alltag ein paar Minuten oder sogar etwas länger Auszeit nehmen.

Nicht selten besuche ich mein Eiscafé, wenn gerade mal zwischen zwei Terminen etwas Zeit bleibt. Die Bedienung braucht mich schon lange nicht mehr zu fragen, was ich möchte. Drei Kugeln mit Sahne und ein cappuccino italiano. Heute bestelle ich ausnahmsweise einen Amarenabecher. Für mein Foto brauche ich ein „schönes Eis“, so meine Begründung für die Ausnahme. Es dauert nicht lange und Franco gesellt sich zu mir. Wir reden über sein Geschäft. Wie es früher war, und was sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

„Das Geschäft geht im Vergleich zu früher immer mehr zurück,“ beklagt er sich. Überhaupt sei es für die Gastronomie schwieriger geworden. Die Bürokratie nimmt immer mehr zu. Das Personal sei häufig unzuverlässig, unmotiviert, dafür aber teuer. Die Energiekosten sind in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen.

Die Produkte sind auch teurer geworden. Insgesamt sei sein Beruf ein aufwendiger Job. „Also ist es keine Idylle, Chef einer Eisdiele zu sein?“ frage ich ihn. Darauf lacht er nur. „Was heißt hier Chef? Ich bin noch nie Chef gewesen. Denn ich arbeite immer mit!“ Dann erzählt Franco von den vielen Stunden, die er täglich arbeitet. In der Regel beginnt sein Arbeitstag morgens um 5 Uhr und endet manchmal erst nach 1 Uhr in der Nacht. „Was willst du machen?“ sagt er und berichtet, dass die jungen Aushilfskräfte längst nicht mehr so belastbar sind. Da tut einer der Rücken ein bisschen weh und prompt kommt ein Krankenschein. „Es gibt kaum noch Familienbetriebe heute,“ stellt Franco fest.

Es fehle an Nachwuchs und dabei erwähnt er noch andere Bereiche wie Metzgereien oder Bäckereien. Er könne die jungen Leute aber auch verstehen, sagt er mir. „Sie gehen lieber in eine Fabrik arbeiten, haben ihre geregelten Arbeitszeiten.“ Wer will sich schon Tag für Tag hinstellen und die Verantwortung für ein Geschäft übernehmen.

Dabei spüre ich ihm ab, dass er seinen Beruf liebt. Er mache sein Eis nämlich noch wie vor 80 Jahren, sagt er nicht ohne Stolz in seinem Blick. Bei ihm sind Fertigmassen tabu! In seinem Fruchteis werden noch richtige Früchte verarbeitet.

Die Qualität schätze ich an seinem Eis und löffele so langsam meinen Becher leer. Kaum vorstellbar, wenn „mein Eiscafé“ mal schließen sollte. Für mich ist das Eisessen ein Teil des Sommers, manchmal ein Stück Urlaub mitten im Alltag.

Aber wie lange wird es noch gehen? „Weißt du,“ sagt Franco mir, „in meiner Geschäftslage hier kann ich nicht 1,20 oder 1,30 für ein Bällchen Eis verlangen! Aber wenn ich eine neue Eismaschine brauche, muss ich locker 36.000 Euro auf den Tisch legen! Ich weiß nicht, ob ich das noch machen würde, wenn meine Maschine jetzt kaputt ginge.“

Ich hoffe natürlich, dass seine Eismaschine noch lange durchhält und er auch. Manchmal habe ich den Eindruck, dass er langsam an den Ruhestand denkt, besonders wenn er sich über das Personal beklagt. „Da kann man schon mal die Lust an seinem Beruf verlieren,“ meint er. Doch im gleichen Moment betritt eine Gruppe Jugendlicher seine Eisdiele. Franco springt auf und macht sich hinter die Theke. Jetzt gilt es wieder, sein Geschäft zu machen.

Übrigens die beste Geschäftszeit für ihn seien die Monate März, April und Mai. „Wenn es dann warm ist, 20-22 0C genügen schon, die Sonne scheint, dann haben die Leute Lust auf Eis,“ verrät er mir. Im Sommer gibt es zu viele Konkurrenzangebote: Stadtfeste, Dorffeste, Vereinsfeste, die Freibäder haben geöffnet, die Garten- und Grillsaison läuft auf Hochtouren. Dann wollen viele nicht in die Eisdiele. – Außer mir, denke! Sommer – Sonne – Eisessen: Das gehört für mich zusammen.

Am Ende frage ich meinen Eismann noch, was ihm denn an seinem Beruf Freude bereite. „So ein Gespräch mit dir!“ antwortet er spontan. Denn die vielen Kontakte, die er zu seinen Kunden pflegt, bereichern sein Leben.

Uwe Schmidt


Uwe Schmidt, Pfarrer Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost
Uwe Schmidt, Pfarrer
Sebachstraße 5
66539 Neunkirchen-Furpach
Telefon: 06821/ 17 74 92
Telefax: 06821/ 17 74 97




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