30. August 2017

So viele fremde Gesichter….


Seit November 2016 findet im Martin-Luther-Haus ein „Integrationskurs“ und im Anschluss daran ein „Orientierungskurs“ statt. Ziel des Integrationskurses ist das Erlernen der deutschen Sprache in Wort und Schrift.

In der Abschlussprüfung werden die Teilnehmenden in die Stufen A1, A2 und B1 eingeordnet, wobei B1 als Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung gilt. Bei der Prüfung ist nicht unbedingt die grammatikalische Korrektheit des sprachlichen Ausdruckes entscheidend, sondern eher die kommunikativen Fähigkeit, sich klar und unmissverständlich auszudrücken und das Gehörte zu verstehen.

Im „Orientierungskurs“ geht es um die Grundzüge unseres Staates, u.a. werden Begriffe wie Demokratie, Bundesstaatlichkeit und Sozialstaat besprochen. Die Lerninhalte wie Grundrechte (z.B. Nichtdiskriminierung von anderen Religionen, Gleichheit der Geschlechter), die Prinzipien der Gewaltenteilung sind für die Lernenden nicht unbedingt einfacher Stoff, so dass die Abschlussprüfung schon einiges an „Pauken“ voraussetzt. Der Lohn für diese Arbeit ist allerdings, dass ein erfolgreicher Abschluss bei 17 von 33 Fragen identisch ist mit dem Einbürgerungstest, einer Hürde, an der viele Betroffene hart zu knabbern haben. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass auch ca. 70 Prozent aller Deutschen in diesem Test „mit Pauken und Trompeten“ durchfallen würden.

Träger dieser Kurse ist das „Diakonische Werk an der Saar“. Die Teilnehmenden sind 19 muslimische Syrer, ein jesidischer Araber sowie ein orthodoxer Christ aus Eritrea.

Im Unterricht stoßen wir immer wieder auch auf religiöse Fragestellungen. Dabei stellen wir fest, dass die Gemeinsamkeiten der drei großen monotheistischen Religionen weitaus größer sind als die Unterschiede. So gibt es bis zur Geburt Christi nur eine gemeinsame Geschichte mit Abraham, Mose, Jakob usw.

Die gemeinsame Basis unseres Umgangs miteinander sehe ich in Folgendem: Es gilt, die Gemeinsamkeiten zu betonen, die Unterschiede zu tolerieren und voneinander zu lernen. Sowohl bei Juden wie Christen und Muslimen hat das uns von Gott aufgetragene Gebot der Nächstenliebe den höchsten Stellenwert. Und: Gleich ob Jehova, Gott oder Allah – es handelt sich stets um den einen und einzigen Gott! Meine bisherigen Erfahrungen mit Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit machen mir Hoffnung: Gerade viele Menschen aus Syrien haben sich bisher als äußerst anpassungswillig und anpassungsfähig erwiesen. Sie stellen eine Bereicherung für unser kulturelles Leben dar und tragen sicher zur Reduzierung des Altersdurchschnitts in unserer Gesellschaft bei.

Vielleicht gelingt es uns ja eines Tages so zu leben, wie der in der Türkei verfolgte (kommunistische und atheistische) Dichter Nâzun Hikmet einst schrieb: „Leben! Einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald.“

Der Verfasser dieser Zeilen will dazu gerne seinen Beitrag leisten.

Hans-Dieter Schaefer, Studienassessor, Sprachdozent beim DW Saar





Zurück