20. Juli 2017

Es waren drei harte Jahre


Im März 2012 ist Ali Mohammadi nach einer langen Flucht aus Afghanistan ins Saarland gekommen. Jetzt, also rund fünf Jahre später, hat er nach einer dreijährigen Ausbildung seinen Berufsabschluss als Hauswirtschafter gemacht. Dabei hat der 20-Jährige vor seiner Flucht nie eine Schule besucht.

 „Es war eine schwere Zeit“, erzählt Mohammadi. Oft sei der Gedanke entstanden aufzuhören, doch dann sei die ganze Mühe ja umsonst gewesen. „Ohne die Hilfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie hätte ich das aber nicht geschafft.“ Die ersten vier Monate in Deutschland verbrachte Mohammadi im Clearinghaus in Völklingen. Danach ging es in eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die ebenfalls zum Jugendhilfeverbund der Diakonie Saar gehört. Heute hat er eine eigene Wohnung in Saarbrücken.

 Er konnte von Anfang an die Schule besuchen, wo er nach zwei Jahren seinen Hauptschulabschluss machte.  Schon damals hatte er bei der Hilfe in der Küche Freude an der Hauswirtschaft gefunden und absolvierte ein Schulpraktikum im Clearinghaus. Und dort, bei seiner Ausbilderin Maria Schon, lernte er auch deutsches Essen kennen. „Wichtig sei, dass das Essen gut ist, egal wo es herkommt.“

 „Es hat mir nicht nur Spaß gemacht zu kochen und zu backen,“ erzählt der junge Mann. „Man muss auch den Umgang mit vielen Menschen lieben und konfliktfähig sein.“ Denn dies gehört auch zur Ausbildung, die er dann in der Schmollerschule in Saarbrücken absolvierte. Der praktische Teil erfolgte im Clearinghaus und in der Diakonie am Nordring in Völklingen sowie bei Praktikas im Seniorenheim „Haus am Steinhübel“ und  Johanna Kirchner Haus in Saarbrücken.  Es waren für ihn harte drei Jahre. Schule oder Praxis und dann: viermal in der Woche Nachhilfe durch Gudrun Treinen, Mitarbeiterin der Ausbildungsbegleitung im Rahmen des Landeprogramms „Ausbildung jetzt“! in der Jugendberufshilfe der Diakonie Saar oder Honorarkräfte wie Walter Baltes. Die Praxis ist ihm leicht gefallen. Die Abschlussprüfung hat er mit der Note 2 bestanden. Schwierig war die Theorie mit vielen Fachbegriffen, die er nicht kannte. Von den vier Jungs die mit ihm die Ausbildung angefangen haben, hat nur er den Berufsabschluss bestanden. 

  Zudem hat Mohammadi noch ein zeitintensives Hobby: er boxt in einem Völklinger Club und ist in seiner Gewichtsklasse Saarlandmeister. Das geht natürlich nicht ohne fleißiges Training. Da blieb keine Zeit für andere Dinge.    

 „Sie haben einen Beruf mit Zukunft gewählt“, sagte Dr. Eva Backes-Miller, Abteilungsleiterin im Saarländischen Bildungsministerium bei der Übergabe der Abschlusszeugnisse. Zukünftig würden Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter in der Seniorenbetreuung, in Kitas, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und vielen mehr gebraucht.  Und dann sprach sie ganz konkret auch Ali Mohammadi an: „Ich freue mich sehr, dass sie in so kurzer Zeit in Deutschland schon in den Beruf gefunden haben“.  Er hat sich in dem Seniorenheim „Am Steinhübel“ der „kreuznacher diakonie“ um eine Stelle beworben und ist guter Dinge, dass er sie auch bekommt.

 Er ist stolz „auf die große Sache“, die er jetzt erreicht hat. Wäre da nicht sein unsicherer Status als Flüchtling in Deutschland. Er darf nur  aus humanitären Gründen hierbleiben und muss immer wieder seine Aufenthaltserlaubnis verlängern lassen. Da bleibt die Angst, irgendwann wieder nach Afghanistan zurück zu müssen. Sorgen hat er noch um seine Familie. Seine Mutter lebt noch mit zwei jüngeren Geschwistern in großer Armut im unsicheren Pakistan.  

 

 





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