10. November 2017

„Nacht der Reformation“ in der Christuskirche


Nach vielen intensiven Festveranstaltungen rund um das 500. Reformationsjubiläum freute ich mich zum Abschluss am 31.10. 2017 auf einen erquicklichen Abend mit guten Gedanken und Musikstücken. Unter dem Motto „Reformation gestern – heute – morgen“ fügten sich Orgel- Flöten- und Chormusik mit bedenkenswerten Texten, Gebet und gemeinsamem Gesang zu einem kurzweiligen Programm.

Pfarrerin Goedeking gab anfangs Brot in Form einer Weinrebe in die Mitte der Versammlung - ein Zeichen der Hoffnung vom zentralen Eröffnungsgottesdienst dieser „Nacht“ in der Ludwigskirche in Saarbrücken, dass Kirche ein Ort sei, wo wir teilen: dieses Brot, und was sonst not tut. Zu Teilen gab es reichlich an diesem Abend, Freude an der vielfältigen Musik und aufmunternde Gedanken angeregt von den Text-Impulsen über die Bedeutung von Reformation in heutiger Zeit. Und das abendliche Service-Team der Kirchengemeinde teilte reichlich Getränke und Stärkungen aus, die sich die Anwesenden bei anregenden Gesprächen wohl schmecken ließen.

Die Partien an der Orgel übernahmen KMD Werz und weitere Kirchenmusiker der Kirchengemeinde, Uwe Ziermann und Kantor Nino Deda. Letzterer leitete den Abend zusammen mit Bruno Fischer aus Wiebelskirchen mit der Phantasie „Ein feste Burg“ von W. Rudnick ein. Den beiden gelang es, große Klangbilder zu malen. Uwe Ziermann beeindruckte in den Choralvorspielen zu „Erhalt uns, Herr“ von Buxtehude und zu „Sollt ich meinem Gott nicht singen?“ von Pepping mit filigranem, klarem und exaktem Spiel. Das tat vor allem dem Choralvorspiel von Pepping gut, das nach und nach zu dem besonderen Rhythmus des Chorals hinführt. KMD Werz schließlich präsentierte neben etlichen Improvisationen drei verschiedene Choralvorspiele zu „Nun danket alle Gott“. Nach dem Choralvorspiel von Bach stellte Werz das entsprechende Werk von Siegfried Karg-Elert in ergreifender Dichte und Intensität dar. Eine Überraschung glückte ihm mit dem dritten Vorspiel von O.G. Blarr. Wieder einmal fesselte er die Zuhörerschaft mit einer selten gespielten ungewohnten Musik.

Die Instrumentalkreise Furpach unter Leitung von Gudrun Herzog und Britta Eisenbeis präsentierten Tänze aus der Zeit kurz nach Luthers Wirken. Und doch fühlte man sich bei der schwungvollen exakten Darbietung der Tänze geradewegs auf einen Mittelaltermarkt versetzt. Der Flötenkreis der Christuskirche unter Leitung von Helmut Werz verband in seinem Programm alte Lutherlieder mit zwei modernen Werken. So könnte „Reformation heute“ klingen. In „Swinging together“ wurden Aspekte unseres Miteinanders interpretiert, in „Memories“ Erinnerungen, die wir für bewusstes Leben heute so dringend brauchen. Beide Instrumentalkreise zeigten große Klangkultur und Intonationssicherheit. Die Gemeinde kann über so viel Qualität im Bereich der Instrumentalmusik sehr glücklich sein.

Pfarrerin Goedeking und Pfarrer Bertram Weber trugen in mehreren Textbeiträgen ein Interview mit Prof. J. Lauster über die Bedeutung der Reformation bis heute vor, welches in einigen Thesen von W. Vorländer, wie denn Rechtfertigung heute für uns beschrieben werden könne, seinen Höhepunkt fand. Rechtfertigung sei heute eine heilsame Korrektur zu wachsendem Narzissmus und durchbreche die Spirale von Angst, Anklage und Sündenbockdenken, so seine Antwort.

Gottesdienst bzw. Messe sind uns guter Ort für solch heilsame Korrektur, auch als Antwort auf Jesu Ruf „Kehret um“. Die Paul-Gerhardt-Kantorei Wellesweiler brachte in der Mitte des Programms die von ihrem Chorleiter Nino Deda komponierte „missa brevis“ zu Gehör. Den hohen Ansprüchen dieser an ausdrucksstarken Melodien und Rhythmen so reichen Messe wurde die Kantorei mit ihrem dynamischen und flexiblen Gesang durchweg gerecht.

Nach so viel Programm, immer wieder unterbrochen von langem Applaus für die Beteiligten, sangen die Begeisterten noch „Der Mond ist aufgegangen“ und beschlossen den Jubiläumstag mit Gebet und Luthers Abendsegen.

An diesem Abend war zu spüren, dass die Inspiration und die Anliegen der Reformation leben, auch über das intensiv gefeierte Jubiläum hinaus. Mit dieser Freude und Gewissheit trat ich nach einem unterhaltsamen und bewegenden Abend den Heimweg an.

 

Tilman Goedeking





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