12. Juli 2018

„Austausch ermöglichen“


Im Begegnungs-Café vom Projekt „Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit“ der Diakone Saar ist die Idee entstanden, einen Verein von und für Migranten zu gründen. Nun sind alle Formalitäten erledigt und auch ein Name wurde gefunden: „Massar“.

Auf dem großen Tisch werben Zettel für einen „Integrativen Schnupperkurs Badminton“. Rundum sitzen Menschen, jung und alt,  aus zahlreichen Ländern, plaudern miteinander, lachen, aber es geht wohl auch um ernste Themen. Etwas abseits wird das kommende Sommerfest geplant. Jeden Dienstag findet im katholischen Pfarrsaal von St. Michael in Saarbrücken von 16 bis 18 Uhr das Begegnungs-Café statt. Es ist gleichzeitig nun auch Treffpunkt für etliche Vereinsmitglieder. 

„Massar“ heißt auf Arabisch  „der Weg“, erläutert der erste Vorsitzende, Tamin Ammouri. „Wir wollen Menschen, die in Deutschland eingewandert oder nach einer Flucht gestrandet sind, Wege aufzeigen, wie sie sich integrieren können.“ Der Verein hat mittlerweile 30 Mitglieder, etwa aus Syrien, Bulgarien, Eritrea oder Deutschland.  In Zusammenarbeit mit dem Projekt der Diakonie Saar bieten die Mitglieder erste Sprachkurse an. Sie kümmern sich insbesondere um Familien mit Kindern, unterstützen bei Ämtern und Behörden und versuchen, Arbeitsplätze zu vermitteln. Im August soll ein monatlicher Kochabend starten. Jede und jeder soll Rezepte aus seiner Heimat mitbringen. All dies geschieht ehrenamtlich.

„Wir kennen die Probleme der Migranten durch unser eigenes Schicksal“, sagt Ammouri. Der 32-Jährige war 2015 vor dem Krieg aus Syrien nach Deutschland geflüchtet.  In den Häfen von Latakia und Tartus hatte er nach seinem Studium in den Fächern „Wirtschaft und Handel“ als Vertriebsleiter einer Export- und Importfirma gearbeitet. Mittlerweile spricht er hervorragend Deutsch und hat seine Anerkennung als Flüchtling. Doch bis Ammouri schließlich Arbeit fand, war es ein langer Weg. Mit seiner Sprachlehrerin Katharina Degel schrieb er unzählige Bewerbungen. „Mal wurde meine Ausbildung nicht anerkannt, mal war ich überqualifiziert“. Geklappt hat es schließlich bei der „Saarbrücker Zeitung“. Nachts bringt er als Fahrer die Zeitung zu den Zustellerinnen und Zustellern.

Auch Degel engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand. Sie ist Schriftführerin und im Verein  für alle Formalien zuständig. Die 32-Jährige hat „Deutsch als Fremdsprache“ studiert. Ihr geht es um den Austausch zwischen den Einheimischen und den neuen Bürgerinnen und Bürgern  -  in der Freizeit und im Beruf. Sie kennt viele Flüchtlinge, die gerne arbeiten würden, aber leider bekämen nur wenige die Chance.  Sie lässt sich aber nicht entmutigen und schreibt mit ihnen Bewerbung um Bewerbung. „Wo Begegnung möglich ist, gibt es auch kaum Probleme“, sagt sie.

Sorgen macht Ammouri die aktuelle Diskussion um die Asyl-Politik in Deutschland. „Wir sind nicht wegen des Geldes nach Deutschland gekommen“, sagt Ammouri.  „Wir konnten in unserem Land nicht bleiben und sind vor einem fürchterlichen Krieg geflüchtet.“

Beide sind froh über die Kooperation mit der Diakonie Saar. Das mache vieles leichter. So kann der Verein Räume und Logistik nutzen.  Für Anne Fennel aus der Geschäftsführung des Wohlfahrtsverbandes ist angesichts der gemeinsamen Ziele die Unterstützung selbstverständlich: „Sich kennen und miteinander etwas tun – das ist die beste Art, Vorurteile zu überwinden und ein realistisches Bild voneinander zu bekommen. Darauf lässt sich ein gutes Miteinander aufbauen.“

 





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