„Es lebe die Freiheit!“


Vor hundert Jahren wurde Hans Scholl geboren. Er war der Vordenker der „Weißen Rose“, intellektueller Kopf und leidenschaftlicher Motor dieser Münchner Widerstandsgruppe, die in Flugblättern zum Kampf gegen die Nazi-Herrschaft und zur Sabotage der Rüstungsbetriebe aufrief.

 Am 22. September 2018 wäre er hundert Jahre alt geworden, der Medizinstudent Hans Scholl, der 1943 vierundzwanzigjährig als „Hochverräter“ auf dem Schafott starb.

Wie seine Schwester Sophie war Hans Scholl bis an sein frühes Lebensende überzeugter Protestant, aber auch ein unablässig Suchender, hartnäckig Fragender, besessen von philosophischen Problemen, geprägt von Stefan Georges dunkel raunender Poesie, aber auch von Thomas Manns Appellen, die deutsche Kultur vor den braunen Barbaren zu retten. Hans versuchte sich selbst als Literat, mit Gedichten voller Naturmystik und melancholischer Spiritualität.

Als Gymnasiast hatte sich der Sohn eines eigensinnigen schwäbischen Dorfbürgermeisters noch für die Werte der völkischen Bewegung begeistert: Kameradschaft, Volksgemeinschaft, Heimat! In der Hitler-Jugend brachte es Hans bald zum Fähnlein-Führer, auf dem Nürnberger Parteitag 1936 durfte der Siebzehnjährige das Banner der Ulmer HJ tragen.

Doch später, in der Militärausbildung, störte er sich an der säbelrasselnden Kriegspropaganda und handelte sich mit seinem ausgeprägten Individualismus Probleme ein. Er löste sich schrittweise von seinen bisherigen Bindungen und trat einer Untergrundgruppe bei, wo man amerikanische Countrylieder sang und verbotene Literatur las.

Die „Weiße Rose“ begann als privater Lesezirkel. Die Geschwister Scholl, der in Russland geborene Alexander Schmorell, der von katholischen Jugendgruppen geprägte Willi Graf, der junge Familienvater Christoph Probst und andere empörten sich bei diesen regelmäßigen Diskussionsabenden über Terror und Gleichschaltung. Im Sommer 1942 begann die Gruppe Flugblätter zu entwerfen, um Mitbürger über die im Krieg und in den KZs verübten Gräuel und die militärische Lage zu informieren.

Das dramatische Ende ist bekannt: Am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl ertappt, als sie ihre Flugblätter in der Münchner Universität verteilten. Vier Tage später die Hinrichtung. „Es lebe die Freiheit!“ rief Hans Scholl, bevor er den Kopf unter das Fallbeil legte.

Christian Feldmann

 

 





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