Landessynode investiert in Zukunft von Kirche


Die Landessynode unserer Evangelischen Kirche im Rheinland tagte vom 6. bis 11. Januar 2019 in Bad Neuenahr.

Als theologischer Abgeordneter des Kirchenkreises Saar-Ost bin ich einer der rund 200 stimmberechtigten Mitglieder. Das bedeutet auch, sich im Voraus durch einen dicken Stapel von Unterlagen durchzuarbeiten.

Die Tagung der Landessynode bedeutet einen großen organisatorischen Aufwand. Das Landeskirchenamt zieht für die eine Woche mit Büros und einem großen Mitarbeitendenstab gewissermaßen nach Bad Neuenahr um. In diesem Jahr ging der 71. ordentlichen Landessynode zum ersten Mal für drei Tage eine Jugendsynode voran. Damit ist schon ein großes Thema der Synode angeschnitten: Jugend und junge Menschen!

Die Synode wird immer mit einem Abendmahlsgottesdienst eröffnet. Danach konstituiert sich die Synode, d.h. alle kommen in einem großen Plenarsaal zusammen, die Beschlussfähigkeit wird festgestellt und der Präses begrüßt die Teilnehmenden und die Gäste. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Es gibt Sitzungen im Plenum und es wird in Ausschüssen getagt. Neben den ständigen Ausschüssen gab es diesmal auch Arbeitsgruppen, in denen zwei wichtige Themen beraten und diskutiert wurden: die Arbeitsweise der Landessynode und die Kirchensteuerverteilung.
 
Die Landessynode hat sich die Beschlüsse der Jugendsynode zu eigen gemacht und will sich für eine stärkere Beteiligung von jungen Menschen in Gremien der Kirche einsetzen. Es wurde angeregt, dass die Synode zukünftig nicht mehr eine ganze Woche lang tagen sollte. Stattdessen soll die Synode zweimal im Jahr für 3 bzw. 4 Tage zusammenkommen. Das könnte jüngeren, berufstätigen Menschen ein Engagement in Gremien der Synode erleichtern. Erstmalig wird die Synode am 7. September 2019 für einen Tag beraten.

Die zukünftige Kirchensteuerverteilung war ein zweites zentrales Thema der Landessynode. Die „reicheren“ Kirchenkreise sollen noch ein bisschen mehr abgeben. In einem fairen Ringen wurde ein tragbarer Kompromiss gefunden. Er beschert den nehmenden Kirchenkreisen geringe Mehreinnahmen, und für die wenigen wohlhabenden Kirchenkreise sind die Einschnitte besser verkraftbar.
Das Geld und die Verteilung der vorhandenen Mittel gehört auf jeder Landessynode zu den wichtigen Themen. Darum wird jedes Jahr neben dem Bericht des Präses, Manfred Rekowski, mit Spannung der Bericht des Finanzchefs erwartet.
Der Präses berichtet allgemein über die Lage unserer Kirche und insbesondere über die Aktivitäten der Kirchenleitung. Sein Bericht hat insgesamt ein positives Echo hervorgerufen. Vor allem das Engagement des Präses in Fragen der Flüchtlingspolitik und zu ethischen Fragestellungen hat viel Zustimmung erfahren.

Der Finanzchef konnte wieder einmal davon berichten, dass die Kirchensteuereinnahmen ein neues Rekordhoch erreichen. Allerdings ermahnte er die Kirchenkreise und Kirchengemeinden dazu, sehr planvoll mit den Einnahmen umzugehen. Aufgrund immer weniger Kirchenmitglieder wird es mit Sicherheit in naher Zukunft zu Einbußen kommen. Wir spüren das längst in unseren Gemeinden und haben nicht umsonst schon einige einschneidende Entscheidungen getroffen und umgesetzt.

Erfreulich ist der Beschluss der Landessynode in neue Gemeindeformen zu investieren. Für die Dauer der nächsten 10 Jahre stellt die Landeskirche 12 Millionen Euro bereit, um neue Formen von Gemeindearbeit zu erproben. In Essen gibt es das Projekt raumschiff.ruhr. Eine Gemeinde von überwiegend jungen Menschen verabredet sich über Whatsapp oder Blogs zu gemeinsamen Veranstaltungen und Gottesdiensten. Es ist immer einen Versuch wert, Kirche für jüngere Menschen attraktiv und einladend zu gestalten.

Neben allen Finanzfragen oder Gesetzesänderungen, die immer Gegenstand einer Landessynode sind, gibt es auch geistliche Impulse. Jeder Synodentag beginnt mit einer Andacht. Davor besteht die Möglichkeit an einer Gebetsgemeinschaft teilzunehmen. Die Beratungen werden in der Regel um 12 Uhr und um 18 Uhr für kurze Wortbeiträge unterbrochen, die mit einem Liedvers abschließen. Überhaupt hat die Synode zwischen den einzelnen Arbeitsphasen immer wieder ein Lied, meist neueres Liedgut, gesungen.

Die Synode ist öffentlich und an jedem Tag sind Gäste anwesend. An einem Tag haben Brigitte Ludwig und Anja Lambeng als MAV-Vertreterinnen die Synode besucht und wir hatten Zeit bei einem Abendessen, uns über die Eindrücke auszutauschen.

Am letzten Tag der Synode wurde eine „Zeremonie des Gedenkens“ gefeiert. Die rheinische Kirche hat mit dieser Zeremonie zwei neue Partnerkirchen aus Südafrika, die seit September 2018 zur Vereinten Evangelischen Mission (VEM) gehören, offiziell willkommen geheißen. Während dieser Zeremonie wurden afrikanische Lieder gesungen. Die Synode sang, klatschte und tanzte!

Fazit: Es ist ganz schön vielfältig. Es ist anstrengend. Und es ist wichtig, auf der Ebene der Landeskirche die Interessen unserer saarländischen Gemeinden zu vertreten.

Uwe Schmidt


Uwe Schmidt, Pfarrer Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost sowie Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch
Uwe Schmidt, Pfarrer
Sebachstraße 5
66539 Neunkirchen-Furpach
Telefon: 06821/ 17 74 92
Telefax: 06821/ 17 74 97




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