„Wer aufbricht, der kann hoffen...“


…heißt es für diejenigen, die neuen Wegen vertrauen. Ich gehöre dazu: am 1. September 2019 um 10 Uhr im Gottesdienst in der Christuskirche werde ich aus dem Gemeindepfarramt in unserer Kirchengemeinde verabschiedet:

23 Jahre als Pfarrerin, rechnet man den Hilfsdienst bei Pfarrer Udo Blank dazu, dann sind es fast 25 Jahre, die diese Kirchengemeinde und mich beruflich und persönlich verbinden.

Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich beispielsweise so lange an einem Platz gewohnt, meine Kinder Jan und Hanne sind hier geboren und aufgewachsen – mitten in der Christuskirchengemeinde – halt, nicht ganz: so fing es einmal an und dann wurde die erste Zusammenlegung mit der Pauluskirchengemeinde relevant, die die Pfarrer Uwe Schmidt und mich zu einem starken Team verbunden hat. Wer aufbricht, der kann eben hoffen...

Nach außen sieht es so aus, als wäre ich seit 25 Jahren am selben Platz, allerdings ist der Arbeitsplatz dabei zweimal stark verändert worden, denn seit 2010 gibt es nun die große Stadtgemeinde Neunkirchen, die sich bis Wellesweiler und  über Furpach auf den Kohlhof erstreckt. Die Arbeit im Pfarrerteam war stets ein immens wichtiger Aspekt gelingender Gemeindearbeit. Nicht immer war diese Teamarbeit einfach, aber immer hat sie mir Freude gemacht, denn das Presbyterium hat uns im Team stets unterstützt, auch dann, wenn es Schwierigkeiten zu bewältigen galt. Seit dem letzten April sind wir nun wieder vier Pfarrer gewesen.

Allerdings beschäftigt das strukturelle Haushaltsdefizit uns schon lange sehr ernsthaft. Der Kirchenkreisverband hat auch im Hinblick auf die sehr angespannte finanzielle Lage der Gemeinde angeboten, die freie Stelle in der Klinikseelsorge in der Klinik Kohlhof mit einer halben Pfarrstelle vertretungshalber zu versorgen. Gern nahm ich diese Aufgabe an, was es dem Presbyterium leicht machte, dieser finanziellen Entlastung zuzustimmen.

Aus dieser vorübergehenden Vertretung entstand die Lösung: die ganze Krankenhauspfarrstelle für die Marienhauskliniken Kohlhof und St. Wendel wurde mir angeboten und ich habe gerne angenommen.

Denn ein Neuanfang in diesem ganz anderen Arbeitsgebiet macht mir schon seit Februar in der Vertretung im Krankenhaus Kohlhof viel Freude: Es ist für mich eine tolle Chance, eine berufliche Veränderung mit meinem persönlichen Lebensmittelpunkt vereinbaren zu können: Wie gern werde ich hier in Neunkirchen Gemeindeglied und Bürgerin bleiben!

Für die Gemeinde und das Presbyterium entsteht nun die Möglichkeit, mit in Zukunft  voraussichtlich drei Pfarrstellen den Konsolidierungsprozess, der auch mit Umstrukturierung verbunden sein wird, voranzubringen.

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, Ihnen allen danke zu sagen: ich habe hier gelernt, wie vielfältig mein Beruf ist! Ich habe mit Ihnen erfahren, wie es ist, durch dick und dünn zu gehen und immer wieder im gelebten und gefeierten Gottvertrauen einen festen Grund für Leben und Arbeit zu entdecken und daraus Kraft zu schöpfen.

Sie alle haben unsere Familie entstehen sehen, mit uns gefeiert und auch gelitten, als Tilman im Dienst verunfallte und sich alles für uns neu sortierte. Trennung, Jahre mit einer alleinerziehenden Mutter als Pfarrerin auf halber Stelle, miterleben, wie eine neue Familie zusammenwächst – und das alles im Pfarrhaus: tja, das Leben geht eben nicht immer geradeaus.

In dieser Gemeinde habe ich gearbeitet und gelebt und gelernt, wie vertiefend Ehrlichkeit und Offenheit für die vielfältige Arbeit in unserer großen Gemeinde sind! Ehrlich sein und bleiben, ist nicht immer einfach: wen ich verletzt habe in meiner Art, Beruf und Mensch zu vereinbaren, sei auch an dieser Stelle um Verzeihung gebeten!

„Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit“: Diese Fortsetzung des Liedverses habe ich im Gemeindedienst als auch in der Leitung der Gemeinde stets umzusetzen versucht. Ich habe diese Verheißung als tragenden Grund aller Veränderungen festgehalten, wenn Ängste vor Verlusten groß waren.

Wo liegt es, dieses Land: hell und weit, wenn angesichts schwindender Mittel die Sorgen um die Zukunft unserer Kirchengemeinde – gerade in ihrer Vielfalt und Größe – stärker wurden als der stärkende Blick auf alles Gelingende unserer gemeinsamen Arbeit? Immer wieder taten sich Tore auf - auch in sozial diakonischer Verantwortung für Menschen in unserer Stadt: Gott sei Dank – für alle erfahrene Gemeinschaft und jede offene Tür! Gott sei Dank und damit allen, die Türen aufgehen lassen!

Diese Kirchengemeinde ist mit Vielfalt gesegnet, auch wenn diese manchmal anstrengt! Die Weite des hellen Landes lasse Gott hier leuchten. Gott gebe Zukunft allen, die hier, eben in unserer Mitte, ein Zuhause suchen! Gern werde ich weiterhin hier leben und aufbrechen und mit Ihnen allen hoffen – auch in der Arbeit, die des weiteren mein Dienstauftrag sein wird.

 

Auf bald!

Herzlich Ihre Britt Goedeking


Britt Goedeking, Pfr`in Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Vorsitzende des Presbyteriums
Britt Goedeking, Pfr`in

Arbeitskreis Ehrenamt und Synodalbeauftragte für Gottesdienst im Kirchenkreis Saar-Ost


Blumenstr. 20
66538 Neunkirchen
Telefon: 06821/ 2 32 05
Telefax: 06821/ 14 02 40




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