Das Augsburger Bekenntnis


Das „Augsburger Bekenntnis“ von 1530 oder: Was unsere Kirche wirklich braucht? Manchmal regen Jubiläumstage zur Erinnerung an. Der 25. Juni ist ein Jubiläumstag.

Aber die Wenigsten unter uns – mich eingeschlossen – kämen darauf, was sich denn vor 490 Jahren Besonderes zugetragen hat. Oder haben Sie wirklich schon mal etwas von dem Augsburgischen Bekenntnis gehört?

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte: Martin Luther (1483-1546). Mit seinem Namen verbindet sich für uns alle die Reformation und die Entstehung der evangelischen Kirche. Dabei wollte Luther die Kirche wirklich reformieren, nicht spalten. Aber der Kaiser und die katholische Kirche haben seine Gedanken abgelehnt, ihn exkommuniziert bzw. in „Reichsacht“ genommen. Für Luther wurde das Leben wirklich gefährlich. Wenn er nicht viele Freunde und selbst Fürsten auf seiner Seite gehabt hätte, wäre er vielleicht sehr bald einem Attentat zum Opfer gefallen. Sie erinnern sich an die Episode, dass Luther von seinem Landesfürsten, Friedrich dem Weisen, zu seiner eigenen Sicherheit auf die Wartburg entführt wurde.

Jedenfalls hatte Luther viele Unterstützer und Unterstützerinnen, nicht zuletzt „seine“ Katharina von Bora. Leider kommen die Frauen auch in der Reformationsgeschichte immer viel zu kurz. Luther blieb also seinen Gedanken und Erkenntnissen treu. Immer wieder musste er seine „neue Lehre“ erklären und darlegen. Es gab auch in seiner Zeit Versuche, mit der katholischen Seite, repräsentiert durch Kaiser, geistliche und weltliche Fürsten, zu einer Einigung zu gelangen. Daher hatte Kaiser Karl V. im Jahr 1530 zu einem Reichstag nach Augsburg geladen. Luther selbst konnte wegen der Reichsacht nur virtuell, damals noch nicht über Skype, aber über Briefe an den Versammlungen teilnehmen. Er hielt sich jetzt auf der Feste Coburg auf und fieberte mit den Verhandlungen mit, die sich in Augsburg abspielten.

Hier kommt ein Mitstreiter, Kollege und Freund von Luther ins Spiel: Philipp Melanchthon (1497-1560) Luther überließ Melanchthon die Verhandlungen in Augsburg. Melanchthon gilt als Vermittler zwischen den verschiedenen Religionsparteien. Er verfasste die Augsburger Konfession in deutscher und lateinischer Sprache (Confessio Augustana). Der Augsburger Reichstag war ein Versuch, sich mit der katholischen Seite zu einigen. Der Versuch scheiterte.
So hält das Augsburgische Bekenntnis in seinem ersten Teil in 21 Artikeln fest, was die Grundlage des evangelischen Glaubens ist. In einem zweiten Teil grenzt sich das Bekenntnis in weiteren sieben Artikeln von den „Missständen“ in der katholischen Kirche ab.

Die Confessio Augustana von 1530 gilt noch heute vor allem in lutherischen Kirchen als eine grundlegende Bekenntnisschrift. Sie war letztlich ein Versuch, die ökumenische Einheit unter den Kirchen zu gewährleisten! Der Versucht missglückte.

Aber brauchen wir die Erinnerung an alte Bekenntnisse der Kirche? Wir bräuchten vielmehr deutliche Schritte hin zu der Einen Kirche aus Katholiken und Evangelischen. Ich fürchte nur, das dauert noch 500 Jahre. Doch bis dahin wird Kirche sich längst anders aufgestellt haben bzw. ganz in Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Wir brauchen in unseren Zeiten mehr denn je Zeugnisse von der Menschenfreundlichkeit Gottes. Wir brauchen mehr denn je Nähe zu den Menschen! Dazu müssten Pfarrerinnen und Pfarrer Zeit haben! Die Institution Kirche mit all ihrer Bürokratie werden wir auf Dauer nicht mehr halten können. Kirche braucht keine Bürokratie und keinen Beamtenapparat. Vieles könnte einfacher sein!

Das Augsburgische Bekenntnis beschreibt in Artikel 7, was Kennzeichen von Kirche sind: „Die christliche Kirche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden.“ Es geht um Gemeinschaft, um den Zuspruch aus dem Wort Gottes (Predigt) und um das Feiern der Sakramente. Darum gehört zum Wesen von Kirche elementar, Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten und ihnen zur Seite zu stehen, mit ihnen Freude und Leid zu teilen. Das könnte Kirche noch lange gelingen, selbst wenn alle Systeme (Finanzen, Bürokratie) einbrechen und verschwinden.

Uwe Schmidt, Pfarrer


Uwe Schmidt, Pfarrer Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost sowie Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch
Uwe Schmidt, Pfarrer
Sebachstraße 5
66539 Neunkirchen-Furpach
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