Die Bartholomäusnacht


Eine schlichte Gedenktafel unterhalb der berühmten Pont Neuf in Paris erinnert an eines der schrecklichsten Kapitel in der Geschichte des französischen Protestantismus.

In der Nacht zum 24. August 1572, dem Tag des Heiligen Bartholomäus, begann ein unvergleichliches Massaker an französischen Protestanten. Das Gemetzel dauerte mehrere Tage an und dehnte sich weit über die Hauptstadt bis in die Provinzen hinein aus. Geschichtsschreibern zufolge ließen allein in Paris 3000 Evangelische ihr Leben. Frankreich insgesamt zählte rund 30.000 Opfer.

Als Ursache für diese Bluttaten wird in der Literatur häufig ein teuflischer Plan der Königinmutter, Katharina von Medici, gesehen. Katharina suchte, ihre Tochter Margarethe (frz. Margot) mit Heinrich von Navarra zu vermählen. Heinrichs Mutter, Jeanne d`Albret, stand dem evangelischen Glauben nahe und ließ ihren Sohn evangelisch erziehen.

Heinrich von Navarra galt alsbald als Führer der Hugenotten, wie die Evangelischen in Frankreich genannt wurden. Katharina von Medici hegte vielleicht durchaus die Hoffnung, mit der Vermählung ihrer katholischen Tochter mit dem Prinzen Heinrich einer Versöhnung zwischen Katholiken und Protestanten einen Weg zu bahnen. Denn bis zum Jahr 1572 ist es bereits zu mehreren Schlachten zwischen Protestanten und Katholiken gekommen.

Das Land war aufgewühlt. Doch wahrscheinlicher ist, dass Katharina Heinrich für den katholischen Glauben zurück- gewinnen wollte. Für die Hochzeit fanden sich sehr viele führende Protestanten des Landes in Paris ein, unter ihnen der protestantische Heerführer Admiral Gaspard de Coligny. Heute noch ist eine Skulptur des Admirals vor der Kirche Oratoire du Louvre auf der dem Louvre gegenüberliegenden Straßenseite zu sehen.

Die Hochzeit wurde am 18. August in der Kathedrale von Notre Dame feierlich vollzogen. Die Geschichte aber erzählt, dass Margarethe ein Schubser zuteil werden musste, um ihr ein zaghaftes Jawort zu entlocken. Es handelte sich nicht um eine Liebesheirat. Margarethe, die als sehr hübsch beschrieben wird, hatte eigentlich einen anderen Kandidaten im Auge. Heinrich, der Béarner, galt außerdem wegen seiner Herkunft als bäuerisch und pflegte einen starken Konsum von Knoblauch.

Die Feierlichkeiten dauerten mehrere Tage an. Schließlich kam es zu einem Attentat an dem protestantischen Heerführer Admiral Gaspard de Coligny, das zunächst noch glimpflich verlief. Doch schon bald wurde er auf seinem Krankenlager heimgesucht und mit einem Degenstoß tödlich verletzt. Dies war der Auftakt zu einem schrecklichen Gemetzel, weshalb das Datum auch als die „Bluthochzeit von Paris“ Eingang in die Geschichte fand. Insgesamt zählt die Geschichte acht Religionskriege, die im 16. Jahrhundert Frankreich erschütterten.

In Folge der „Bartholomäusnacht“ suchten viele französische Protestanten Schutz in der von Protestanten besetzten Stadt La Rochelle am Atlantik. Andere flohen in den Süden Frankreichs oder wanderten bereits nach Deutschland, in die Schweiz oder in die Niederlande aus.

Auf Heinrich von Navarra, dem späteren Heinrich IV, ruhten im Frankreich des 16. Jahrhunderts viele Hoffnungen auf eine Beendigung der religiösen Streitigkeiten und Kriege. Mit der Hochzeit von 1572 musste er sich wieder dem katholischen Glauben zuwenden. Im Laufe der folgenden Jahre stand Heinrich mal auf jener, mal auf der anderen Seite der Konfessionen. Auf ihn soll der Ausspruch „Paris ist eine Messe wert“ zurückgehen. Denn bevor er 1593 zum König gekrönt wurde, hatte er dem protestantischen Glauben abzuschwören. Dennoch blieb Heinrich IV den Evangelischen stets wohlgesonnen. Er setzte 1598 mit dem Edikt von Nantes den Religionskriegen ein Ende und schaffte somit der friedlichen Koexistenz zwischen Katholiken und Protestanten Bahn. Leider flammte der Hass unter den Konfessionen keine 100 Jahre später wieder auf und zeigte unter König Ludwig XIV erschreckende Auswüchse.

Paris aber ehrt seinen Protestanten-König Heinrich IV mit einem Reiterstandbild auf der berühmten Pont Neuf. Übrigens unterhalb der Pont Neuf auf einem kleinen Vorsprung der Seineinsel trägt ein Park den Namen Square du Vert Galant (dt. Schürzenjäger). Der Name des Parks wurde zu Ehren Heinrich IV und seiner zahlreichen Mätressen gewählt. Ein Besuch lohnt sich!

Übrigens: Wer Lust hat, sich auf die Spuren der Hugenotten zu begeben, kann noch an einer Studienfahrt nach Frankreich vom 21. bis 25. September 2020 teilnehmen.

Wenige Plätze sind noch frei!

 

Uwe Schmidt, Pfarrer


Uwe Schmidt, Pfarrer Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost sowie Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch
Uwe Schmidt, Pfarrer
Sebachstraße 5
66539 Neunkirchen-Furpach
Telefon: 06821/ 17 74 92
Telefax: 06821/ 17 74 97




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