11. März 2021

Kinderschutzkonzept für evangelische Kindertageseinrichtungen im Saarland vorgestellt


Der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen im Saarland (VEKiS) und der Kirchenkreisverband An der Saar haben das neue Konzept zum Kinderschutz vorgestellt. Seit Beginn des Jahres kommt das Konzept in den evangelischen Kindertageseinrichtungen im Saarland zur Anwendung.

 Dazu zählen sowohl die 31 zum VEKiS gehörenden Einrichtungen sowie weitere acht, die sich in Trägerschaft von Kirchengemeinden befinden.

„Alle Eltern, die ihre Kinder in einer evangelischen Kindertagesstätte im Saarland in Betreuung geben, können sich darauf verlassen, dass strukturell, konzeptionell und praktisch alles getan wird, um die Kinder vor jeder Form von Missbrauch und sexualisierter Gewalt zu schützen“, stellt Christian Weyer klar. Er ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Saar-West und im übergeordneten Evangelischen Kirchenkreisverband An der Saar zuständig für die Kindertagesstätten. Damit das zukünftig einheitlich geschieht, gibt es das neue Konzept. Es wurde von Trägern und Mitarbeitenden aller evangelischen Kindertageseinrichtungen auf dem Gebiet des Kirchenkreisverbands gemeinsam erarbeitet.

„Im Rahmen der kontinuierlichen Weiterentwicklung unseres Qualitätsmanagementsystems war es selbstverständlich, dass wir uns intensiv mit dem Thema Kinderschutz auseinandersetzen“, stellt Annette Burkhardt-Walsch vom Referat Evangelischer Kindertageseinrichtungen der Diakonie klar. Zusammen mit Silvia Moog-Schirra, Bereichsleiterin beim VEKiS, hatte sie die Federführung bei der Erstellung inne. Das „neue“ einheitliche Kinderschutzkonzept füge die verschiedenen Ansätze zusammen und präzisiere sie. In einem Zeitraum von zwei Jahren wurde an der Erstellung gearbeitet.

Inhaltlich an erster Stelle im Kinderschutzkonzept stehen die Grundsätze „Partizipation“ und „Prävention“. „Wir möchten die Kinder stark machen, sie befähigen, ihre Wünsche und Gefühle zum Ausdruck zu bringen“, erläutert Burkhardt-Walsch. Dazu gehöre es, dass schon die Kleinsten an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden, etwa bei der Gestaltung der Bildungsangebote oder bei der Auswahl des Speiseplans. Selbstverständlich im Rahmen grundsätzlicher Regeln und Grenzen: „Dass beispielsweise der Medizinschrank tabu ist oder nicht auf die Straße gerannt wird, ist nicht verhandelbar.“ Da Prävention immer mit Bildungsarbeit einhergeht, ist außerdem ein pädagogisches Konzept zur Sexualerziehung im Elementarbereich Teil des Kinderschutzkonzepts.

„Wir konnten die Qualität durch den Entwicklungsprozess nochmal deutlich steigern“, bekräftigt auch Moog-Schirra. Daher war es nur logisch, großzügig zeitliche Ressourcen zur Einführung des Kinderschutzkonzepts bereitzustellen. So wurden in den letzten Monaten trotz der Corona-Pandemie rund 25 pädagogische Tage in den Einrichtungen durchgeführt, um das Konzept vor Ort zu implementieren. „Im Nachgang der pädagogischen Tage erstellt sich jedes Team vor Ort auf Basis des Konzepts einen individuellen Verhaltenskodex“, so Moog-Schirra.

Überhaupt seien natürlich die Teams der Einrichtungen vor Ort besonders gefordert, das Konzept mit Leben zu füllen. Dafür braucht es Personal, dass mitzieht. „Kinderschutz fängt bei uns bei der Einstellung an“, betont Dr. Lutz Albersdörfer, Geschäftsführer des VEKiS. Schon in Stellenausschreibungen und bei den Vorstellungsgesprächen würden das Thema angesprochen und entsprechend berücksichtigt.

Und wenn doch mal was passiert? „Jedem Verdacht wird nachgegangen“, stellt Albersdörfer klar. Das Verfahren werde dann jeweils dokumentiert, ob sich ein Verdacht bestätige oder nicht – zum Schutz der Einrichtung, aber auch als Entlastung von Personen, die nach Prüfung rehabilitiert werden müssten, weil sich ein Verdacht nicht erhärtet hat.

Darüber hinaus sei eine gelungene Elternarbeit eine Schlüsselvoraussetzung dafür, Kinder nicht nur in der Kindertageseinrichtung, sondern auch im sozialen Umfeld wirksam zu schützen.

 

Der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen im Saarland (VEKiS) wurde 2011 als Trägerverbund evangelischer Kirchengemeinden mit Kindertagesstätten gegründet. Seit 2021 wird der Verband getragen von den Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West. Er ist eigenständiger Teil der verfassten evangelischen Kirche an der Saar und zugleich ihre größte Einrichtung.
Absicht ist es, die vormaligen Einzelträger von Kindertageseinrichtungen in ihrer Arbeit zu entlasten, Arbeitsfelder zu bündeln und den gesetzlichen Auftrag von Bildung und Erziehung mit fachlich kompetentem Personal sicher zu stellen. Der Verband ist aktuell verantwortlich für 31 evangelische Kindertageseinrichtungen im Saarland. Hier werden ca. 2.000 Kinder von rund 400 Mitarbeitenden betreut.

 

Für ihre übergemeindlichen Einrichtungen haben die Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West den Kirchenkreisverband An der Saar gegründet. Er bündelt alle Arbeitsgebiete der beiden Kirchenkreise, wie zum Beispiel die Krankenhaus- und Telefonseelsorge, die Gefängnisseelsorge oder das Schulreferat, die Öffentlichkeitsarbeit und die Verwaltung.


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