Kirche kommt zu dem Menschen


Das Weihnachtsfest war dieses Jahr anders als sonst. Viele Kirchengemeinden in unserem Land haben auf der einen Seite coronabedingt ihre Heilig-Abend-Gottesdienste abgesagt. Auf der anderen Seite ist aber auch Neues entstanden, wie zum Beispiel bei uns in Neunkirchen.

Schon im Herbst wurde ich von meinem katholischen Kollegen Pastor Michael Wilhelm gefragt, ob wir nicht ökumenisch eine Art Stationsgottesdienste an Weihnachten anbieten wollten, um die Messen und Weihnachtsgottesdienste etwas zu entlasten. Ihm und seinen Kollegen wie Kaplan Zillgen oder Diakon Eckel schwebe vor, an verschiedenen Orten in der Stadt kleine Gottesdienste im Freien zu feiern mit Musik, dem Weihnachtsevangelium und einem Segenswort. Ich war Feuer und Flamme für diese Idee und auch Diakon Markus Bischof war sofort mit von der Partie: Kirche kommt zu den Menschen nach Hause in ihre Straße! Auch für das Presbyterium stand außer Frage, dass sich die evangelische Kirchengemeinde beteiligen würde.

Dann ging es in die konkreten Planungen. Am Ende stand fest: Wir wollten in zwei Gruppen durch die Straßen ziehen und den Menschen, die vor ihr Haus treten würden oder ans Fenster kämen, eine Weihnachtskarte mit der Weihnachtsgeschichte sowie das Friedenslicht aus Bethlehem schenken. Das Friedenslicht aus Bethlehem ist in den letzten Jahrzehnten zu einem starken Symbol des Friedens geworden. Es ist eine Flamme, die jedes Jahr in der Geburtsgrotte, also an dem Ort, wo Jesus Christus geboren wurde, entzündet, in einem Spezialgefäß nach Wien geflogen und von dort in andere Länder gebracht wird. In Deutschland verteilen dann die Pfadfinderinnen und Pfadfinder das Friedenslicht aus Bethlehem weiter und bringen es auch zu uns nach Neunkirchen.

Am Heiligen Abend zogen dann die zwei Gruppen durch die Hasselbachstraße in Sinnerthal, durch den Biotopweg und Munklerswies im Altseiterstal, durch den Nachtigallenweg am Storchenplatz und durch Heinitz. Die letzte Station am Biedersberg musste wegen des plötzlich einsetzenden heftigen Regens schweren Herzens ausfallen. Jemand zog den Bollerwagen mit den Kerzen, jemand trug die Laterne mit dem Friedenslicht aus Bethlehem, jemand verteilte die Weihnachtskarten und jemand spielte Saxophon, Querflöte oder Drehorgel. Jeder fasste irgendwo mit an, um den Menschen eine Freude zu bereiten.

Gerade im Nachtigallenweg kam die Kirche, die durch die Straßen zieht, sehr gut an. Viele eilten ans Fenster oder kamen direkt an die Straße, viele kurze Gespräche wurden geführt und viele Weihnachtswünsche ausgesprochen. Auch Menschen aus anderen Straßen waren da, die von der Aktion in der Zeitung gelesen hatten, um mitzugehen oder einfach nur das Friedenslicht aus Bethlehem abzuholen. Hinterher konnten es alle mit nach Hause in die eigene Wohnung oder das eigene Haus nehmen und an die Menschen, die ihnen am Herzen lagen, weiterverschenken.

Mehr als einmal hörten wir an diesem Tag die Worte: „Das solltet Ihr öfter machen!“ Da konnten Kaplan Zillgen und ich nur zustimmen. Das möchten wir gerne tun. Denn: Kirche muss sich meiner Meinung nach auf den Weg machen.

 

Michael Hilka, Pfarrer


Michael Hilka, Pfr. Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Michael Hilka, Pfr.
Vorsitzender des Presbyteriums
66538 Neunkirchen
Telefon: 06821-8530




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