20. März 2021

Kirchenkreis Saar-West: Rahmenplan für die Zukunft des Pfarrdienstes vorgestellt


Gebietsübergreifende Zusammenarbeit unter den Kirchengemeinden soll in Zukunft im Evangelischen Kirchenkreis Saar-West verbindlich werden. Das sehen die Planungen des Kreissynodalvorstands vor, die auf der Frühjahrs-Synode des Kirchenkreises präsentiert wurden.

Hintergrund sind Prognosen der Landeskirche, wonach die Anzahl an Gemeindepfarrstellen aufgrund der demographischen Entwicklung und wegen des Mangels an Nachwuchs für den Pfarrdienst bis zum Jahr 2030 von derzeit 31 auf ca. 20 zurückgehen wird.

Um dem zu begegnen ist geplant, dass sich die Kirchengemeinden in sieben Regionen organisieren, die gemeinsam ein Rahmenkonzept entwickeln, um den Pfarrdienst in der Region langfristig sicherzustellen. Zukünftig soll ein solches Konzept Voraussetzung dafür sein, dass vakante Pfarrstellen wieder zur Besetzung freigegeben werden.
Mögliche Optionen für die regionale Zusammenarbeit sind beispielsweise ein pfarramtlicher Verbund, die Bildung einer übergeordneten Gesamtkirchengemeinde oder die Fusion mehrerer Kirchengemeinden zu einer größeren Einheit. Auch die Verlagerung einzelner Aufgabengebiete und die Zusammenarbeit mit sogenannten Funktionspfarrer*innen ist denkbar.

Eine Gemeindefusion hat Pfarrerin Jutta Seibert aus Gersweiler in den 2000ern bereits hinter sich. Damals war schon klar, dass der damalige Kollege der Nachbarkirchengemeinde Klarenthal in nächster Zeit in den Ruhestand tritt und die Pfarrstelle danach nicht mehr in vollem Stellenumfang ausgeschrieben werden kann.
„Wir wollten frühzeitig Weichen stellen, um längerfristig zukunftsfest zu werden“, sagt Seibert, die in der Synode über ihre Erfahrungen berichtete. Gemeinsam entschieden sich beide Gemeinden für eine engere Zusammenarbeit, die 2008 in die Fusion zur Kirchengemeinde Gersweiler-Klarenthal mündete. Die Zusammenführung sei weit mehr als ein formaler Akt gewesen, so Seibert. Vielmehr sei Beziehungsarbeit über einen längeren Zeitraum notwendig gewesen, davor und danach. Denn natürlich gab es Konflikte und auch schmerzhafte Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Trotzdem würde Seibert diesen Weg wieder gehen, wenn auch nicht um jeden Preis. „Fusion bedeutet intensiven Kontakt auf allen Ebenen. Wertschätzende Zusammenarbeit der Partner ist wesentlich“, ist sie sich sicher. Wenn sich im Zuge der Gespräche erhebliche Unterschiede zwischen den Parteien ergäben, müsse man sich mehr Zeit nehmen – oder über andere Wege der Zusammenarbeit nachdenken.

„Wir wissen nicht, was das Beste ist für eine Region. Wir wissen nur, dass es Handlungsbedarf gibt, dringenden Handlungsbedarf“, stellt Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises, klar. Denn bis 2030 werden mindestens neun Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand treten, nicht alle Pfarrstellen können wiederbesetzt werden.
Der Kreissynodalvorstand schreibe ausdrücklich keine einheitlichen Maßnahmen für die Gemeinden vor. Aber es brauche ein zukunftsfähiges Konzept, das könne und müsse in den Regionen geleistet werden. Bis in den Herbst haben die Kirchengemeinden nun Zeit, sich zu den Vorschlägen zu verhalten, eine Beschlussfassung ist für die Kreissynode im November vorgesehen.

Die 102 Synodalen aus den 26 Kirchengemeinden wählten außerdem Miriam Lehberger (Kgm. Völklingen-Versöhnung) und Steffi Frohmann (Kgm. Güchenbach) zu stellvertretenden Mitgliedern des Kreissynodalvorstands. Corona-bedingt fand die Tagung wieder als Videokonferenz statt.

 

Der Evangelische Kirchenkreis Saar-West gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland. Er erstreckt sich von Rilchingen-Hanweiler im Osten entlang der Saar bis nach Perl im Westen und bis Lebach und Wadern im Norden des Saarlandes. Derzeit leben dort gut 76.000 Protestanten in 26 Gemeinden. Sitz der Superintendentur ist Saarbrücken. Superintendent ist derzeit Pfarrer Christian Weyer.





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