Sehnsucht – ein 100 % deutscher Gefühlszustand


Was ist Sehnsucht? Sehnsucht sei ein 100 % deutscher Gefühlszustand, heißt es in einem Beitrag der Sendung „Karambolage“ des deutsch-französischen Senders ARTE.

Via Zoom treffe ich Dr. Wolfgang Bufe, ehemals Romanist an der Universität des Saarlandes. Ich erfahre von ihm, dass es komplexe und vielschichtige Begriffe gibt, die nicht eindeutig in eine andere Sprache übersetzt werden können. So existiert für das deutsche Wort Sehnsucht kein eindeutiges Synonym im Französischen.

Die verschiedenen Möglichkeiten im Französischen, das deutsche Wort Sehnsucht wiederzugeben, zeigen die Weite und Mehrdimensionalität dieses Begriffes.
Sehnsucht ist ein brennendes Verlangen. Wer kennt nicht die Sehnsucht, einen geliebten Menschen nach einer Zeit der Trennung endlich wiederzusehen.

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide,“ so J.W. Goethe in Wilhelm Meisters Lehrjahre. Wer sehnsüchtig ist, schmachtet, ist ungeduldig.
Ein weiterer Deutungshorizont des Begriffes ist das leidenschaftliche Warten. Sehnsüchtig wartet ein junger Mensch auf das Ergebnis einer Prüfung oder erwartet die Antwort auf eine Bewerbung.

In den Sommermonaten gibt es die Sehnsucht nach Ferne und Weite oder die Sehnsucht nach Sonne und Meer. Sehnsucht richtet sich manchmal nach einem fernen Land. Andererseits besitzt Sehnsucht einen nostalgischen Aspekt: das Heimweh, die Sehnsucht nach Hause oder zurück in die Kindheit und Jugend.

In der Bibel findet sich vor allem die Sehnsucht nach Gott, klassisch in Psalm 42,2: „Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“Die Basisbibel übersetzt den zweiten Teil des Verses „so sehne ich mich, Gott, nach dir.“Jesus kennt die Sehnsucht als brennendes Verlangen nach Gemeinschaft mit den Seinen. „Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu essen, bevor mein Leiden beginnt,“ (Lk 22,15) sagt Jesus im Lukasevangelium.

Was ist Sehnsucht? Mir fällt dazu noch der Refrain eines neueren Liedes ein: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“

Uwe Schmidt, Pfarrer


Uwe Schmidt, Pfarrer Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost sowie Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch
Uwe Schmidt, Pfarrer
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66539 Neunkirchen-Furpach
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