Zur Zukunft unserer Kirche


Auf der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland, die im Januar als Online-Synode tagte, beschäftigte sich das Kirchenparlament auch mit der Frage um die Zukunft unserer Kirche.

Der theologische Ausschuss hat eine Schrift zur Diskussion vorgelegt mit dem Titel: Lobbyistin der Gottoffenheit. Zum öffentlichen Auftrag und Auftreten einer Minderheitskirche. Das Dokument kann auf der Homepage der EKiR heruntergeladen werden.

Die VerfasserInnen treffen die Feststellung, dass die Phase der „Volkskirche“ endgültig zu Ende ist. Wenn in naher Zukunft weniger als die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen nicht mehr Mitglied einer der christlichen Kirchen sind, dann kann nicht mehr von „Volkskirche“ gesprochen werden. Wir können das in unserer eigenen Kirchengemeinde feststellen. Seit der Zusammenlegung der ehemals selbständigen Kirchengemeinden Neunkirchen, Scheib-Furpach und Wellesweiler zum 1. Januar 2010 hat unsere Kirchengemeinde rund 2000 Gemeindeglieder eingebüßt. Von ehemals rund 10.400 Gemeindegliedern sind wir aktuell auf 8.400 geschrumpft. Im selben Zeitraum verzeichnen wir rund 600 Austritte. Die Bindung zur Kirche nimmt immer mehr ab.

Selbst das Bemühen, die Wünsche und Erwartungen aller zu erfüllen, kann den Trend nicht aufhalten. Es gehört zu den schmerzlichen Erfahrungen im Pfarrberuf, erleben zu müssen, dass kurz nach einer „schönen“ Konfirmationsfeier oder einer „schönen“ Hochzeitsfeier Menschen, deren Wünschen vollstens entsprochen wurde, doch aus der Kirche austreten. Für hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitende in der Kirche ist es eine belastende Aufgabe, den „Rückbau“ ihrer Kirchengemeinde gestalten zu müssen. Darum plädiert das Dokument dafür, den Weg zu einer Minderheitskirche aktiv zu gestalten.

Kirche ist nach Ansicht der Verfasser*innen Lobbyistin der Gottoffenheit, d.h. christliche Werte bringt die Kirche im Alltag ein. Zum anderen: Kirche ist Teamplayerin, d.h. sie engagiert sich im Bündnis mit anderen Religionsvertreter*innen und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Ein gutes Beispiel hierfür bei uns in Neunkirchen ist das Engagement von Gemeindegliedern in dem Bündnis „Bunt statt braun“. Schließlich wird Kirche der Zukunft als Agentin des Wandels gesehen. Kirche setzt sich im Sinne der Schöpfungsverantwortung für eine nachhaltige Lebensweise ein.

Diesen Aspekt nehmen wir in unserer Kirchengemeinde wahr, indem wir z.B. den Papierverbrauch zu reduzieren versuchen und Kaffee nur aus fairem Handel verbrauchen.

Dem Stichwort Digitalisierung wird ebenso Bedeutung eingeräumt. Die Kirche der Zukunft wird verstärkt auf neue Formate setzen, und die digitale Präsenz von Kirche wird mit dazu beitragen, die sozialen Medien „davor zu bewahren, zumindest in Teilen ein ´nächstenliebefreier Raum` zu sein.“ (Lobbyistin der Gottoffenheit, S. 11)

Die Entkirchlichung unserer Gesellschaft wird dazu führen, dass die Möglichkeiten und Spielräume, die Kirche heute im öffentlichen Raum noch besitzt, stärker hinterfragt werden. Der Religionsunterricht oder die Präsenz der Kirchen in den Medien stoßen schon zuweilen auf Ablehnung. Umso mehr plädiert das Dokument dafür, dass sich Kirche auch in Zukunft öffentlich zu Wort meldet und das nicht bloß in Form von Verlautbarungen ihrer Spitzenvertreter*innen, sondern durch engagiertes Auftreten vieler, die getragen sind von christlicher Hoffnung und Überzeugung. Für viele Menschen wird Kirche vor allem durch ihr diakonisches Handeln Anerkennung und Gewicht bewahren.

Schließlich gibt das Dokument den Denkanstoß dazu, dass Kirche der Zukunft sich von ihrer primären Sorge zur Selbsterhaltung wird befreien müssen. Kirche der Zukunft wird manche ihrer bürokratischen Strukturen aufbrechen. Ebenso wird das Denken in Parochien (Gemeinde und Gemeindebezirken) überwunden werden müssen. Es gilt, neue Gemeindeformen zu erproben.

Wie das alles vielleicht für unsere Gemeinde in Zukunft umgesetzt werden kann, bleibt ein spannender Weg.

Uwe Schmidt, Pfarrer


Uwe Schmidt, Pfarrer Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost sowie Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch
Uwe Schmidt, Pfarrer
Sebachstraße 5
66539 Neunkirchen-Furpach
Telefon: 06821/ 17 74 92
Telefax: 06821/ 17 74 97




Zurück