Die Therapeutische Schüler*innenhilfe in Zeiten Corona-Lockdown


Die TSH hat weiterhin geöffnet. Einrichtungen der Jugendhilfe ist dies möglich und erlaubt. Viel hat sich allerdings bei uns seit Herbst 2020 nicht geändert. Der Ausnahmezustand wird zunehmend zur Realität.

Vor kurzem hatte ich beim Aufnahmegespräch einer neuen Schülerin Mühe, zu erklären, welche Regeln und Angebote bei uns „normalerweise“ gelten und welche nur in Zeiten des Lockdowns, sei es „light“ oder „verschärft“…!

Unsere Kinder haben sich mehr oder weniger an das Tragen der Masken und das Abstandhalten gewöhnt. Sie kommen trotz Maskenzwangs zu uns, suchen und bekommen die Hilfe, die sie brauchen. „Nebenbei“ bekommen sie aber immer auch etwas anderes…

z.B. Regeln und eine Tagesstruktur,

ein Lob oder eine Anregung,
ein offenes Ohr oder ein lächelndes Auge,
einen Scherz oder eine Ermahnung,
ein Tütchen Gummibärchen oder einen Kamillentee,
ein kurzes Gespräch abseits der Lernblätter oder ein Stück gemeinsamer Heimweg mit einem anderen Kind.

Auch das sind sehr wichtige Dinge in einem zurzeit sehr eingeschränkten Kinderleben.

Die Kinder halten durch und funktionieren. Überwiegend. Trotzdem gibt es wahrnehmbare Unterschiede zu früher. Es ist stiller geworden. Leerer. Konzentrierter. Ernster. Manchmal liegt auch eine aggressive Stimmung in der Luft. Es gibt Unzufriedenheit und Streit. Lustlosigkeit und Abkapselung. Kopfschmerzen und Bauchweh. Resignation und Flucht in virtuelle Welten. Gemecker und Verstummen. Überforderung und Langeweile. Strenge und Chaos.

Auch an uns Erwachsenen in der Jugendarbeit geht der das Auf und Ab der Verordnungen, Verschärfungen und Lockerungen nicht spurlos vorbei. Hoffnung und Enttäuschung. Eintönigkeit des Alltags und Überdruss. Sehnsucht nach Freiheit, Abwechslung und neuen Herausforderungen. Angst vor Ansteckung hier, in den vorderen Reihen. Pflichtgefühl und die Zufriedenheit, helfen zu können. Dankbarkeit dafür, gesund zu sein und noch arbeiten zu dürfen.  

Auch im Privatleben erleben wir Veränderungen. Zufriedenheit über mehr Ruhe und anders gestaltete Zeit. Neubesinnung auf das Wesentliche. Aufwertung der Zeit mit Freunden, Eltern und Großeltern. Neue Erfahrungen der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhalts.

Ich frage mich oft, was wir unseren Nachkommen rückblickend über die Zeit der Pandemie und des Lockdowns berichten und worüber wir mit unseren Zeitgenossen Erinnerungen austauschen...

Und ich frage mich, was wir von unseren positiven Gedanken und Erlebnissen, Erfahrungen und Veränderungen mitnehmen - in die Zeit danach!

Britta Altmann

Britta Altmann Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Diplom-Psychologin und Systemische Therapeutin
Britta Altmann
Ernst-Blum-Straße 13
66539 Neunkirchen-Wellesweiler
Telefon: 06821 - 4 29 07




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