04. September 2020

Aktiv gegen das Vergessen


Heute wurden in Neunkirchen, Wiebelskirchen und Wellesweiler elf Stolpersteine gegen das Vergessen und zur Erinnerung an die Deportation von Minderheiten zur Zeit des Nationalsozialismus verlegt. Schülerinnen und Schüler aus dem Projekt „Respekt Coach“ beteiligten sich an der Aktion.

Schülerinnen und Schüler aus dem Projekt „Respekt Coach“ am Technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrum in Neunkirchen beteiligten sich an der vierten Stolpersteinverlegung in Neunkirchen, einer Aktion zur Erinnerung an die Deportation von Juden zur Zeit des Nationalsozialismus.

 

Insgesamt verlegten die Straßenbauschüler, die von Lehrerin Monika Hack fachlich begleitet wurden, elf Mahnmale in Neunkirchen, Wellesweiler und Wiebelskirchen. Die Diakonie Saar, Träger des Projektes „Respekt Coach“, finanzierte dabei den „Stolperstein“ für  den Wiebelskircher Karl Löb, der im Nationalsozialismus verschleppt wurde.

 

„Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist in einer Zeit von wieder aufkommender Fremdenfeindlichkeit, ausuferndem Populismus und zunehmender Intoleranz ein wichtiges Zeichen wider des Vergessens“, sagte Melanie Franz, „Respekt Coach“ des Jugendmigrationsdienstes Neunkirchen der Diakonie Saar bei dem Gedenktreffen im Anschluss an die Verlegung. Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die diese Zeit unter Umständen leidvoll erfahren haben und von dieser Zeit berichten können und wollen. Umso wichtiger sei es daher, das Gedenken in der Arbeit mit Jugendlichen aufrecht zu erhalten.

 

Initiiert wurde das Kunstdenkmal „Stolpersteine“ von der „Stiftung Spuren – Gunter Demnig“, die europaweit bereits über 75.000 Steine in fast 2.000 Kommunen verlegt hat. Vor Häusern, in denen die Deportierten gewohnt haben, werden Steine mit deren Namen im Boden eingebracht, so dass Passanten darüber sozusagen „stolpern“. So soll zum Nachdenken angeregt werden.

 

„Wir erleben, dass es wieder einen Rechtsruck gibt“, ermahnte auch Landrat Sören Meng. „Wir müssen dagegen halten, wenn Minderheiten diskriminiert werden. Wir müssen unsere Stimme erheben. Denn das sind wir diesen Menschen, für die heute so ein Stein steht, schuldig.“

 

Die Vorarbeit für die Verlegung in Neunkirchen leistete die Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ um Ulrike Heckmann und Rainer Dörrenbächer, die an der Volkshochschule Neunkirchen angesiedelt ist. Mit Hilfe von Stadtarchivar Christian Reuther  recherchierten sie im Neunkircher Stadtarchiv, wo weitere jüdische Bürgerinnen und Bürger gewohnt haben. Sie betreuten zudem gemeinsam mit Melanie Franz in der Schule eine Recherchegruppe, die das Internet nutzte, um an Hintergrundinformation zum Leidensweg der Opfer des NS Regimes zu gelangen.

 

Karl Löb war Jude und Opfer der Nürnberger Rassegesetze. 1910 an der Mosel geboren, zog seine Familie noch vor dem ersten Weltkrieg nach Quierschied. Nach dem Novemberpogrom wurde Karl nach Dachau deportiert. Er musste zusammen mit seiner ersten Frau Martha in Berlin Zwangsarbeit leisten, ihr Ausreiseantrag nach Palästina wurde ständig verzögert bis er endgültig abgelehnt wurde, einige Tage später wurden beide nach Auschwitz deportiert. Mit der Räumung des Lagers wurden die KZ-Häftlinge auf einen Todesmarsch geschickt, so auch Karl. Er überlebte den Marsch, geschwächt und krank und wurde danach für Aufräumarbeiten eingesetzt. Karl kehrte zurück ins Saarland und lernte hier seine zweite Frau Doris kennen und lieben. Am 4.September 1971 verstarb er an Herz und Nierenversagen.

 

Weitere Stolpersteine wurden verlegt für Berta Meyer (Wellesweiler), Barbara Selzer, geb. Theobald (Steinwaldstraße), fünf Steine für Familie Goldman (Wellesweilertsraße), Jakob Hanuja (Wellesweilerstraße), Karl Schneider (Karl-Schneiderstraße) du Kurt S. Levy (Pasteurstraße).





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