24. Januar 2020

Die Hanweiler Hakenkreuzglocke ist in der Ausstellung zu Protestanten und NS-Zeit in Saarbrücker Ludwigskirche zu sehen


Die frühere Hakenkreuz-Glocke der evangelischen Erlöserkirche im saarländischen Hanweiler ist nun in der Ausstellung „Protestanten ohne Protest“ in der Saarbrücker Ludwigskirche zu sehen. Sie wird am Sonntag, 26. Januar, um 17 Uhr mit Gesprächsrunden offiziell eröffnet.

„Zerstören darf man so was nicht. Es ist ein Stück der Kultur, wenn auch einer Unkultur, aber einfach eine historische Entwicklung, der man sich stellen muss“, sagte der evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Joachim Conrad. Die Glocke ergänzt die am 16. Januar gestartete Schau zu Protestantismus und Nationalsozialismus.

 

Die aus dem Jahr 1933 stammende Hakenkreuzglocke wurde im Juni 2018 aus der evangelischen Erlöserkirche entfernt. Danach schenkte die Kirchengemeinde Obere Saar sie dem Historischen Museum Saar, welche sie in ihre Dauerausstellung aufnehmen wird. Die Glocke ist nun erstmals öffentlich zu sehen. Zudem thematisiert die Ausstellung den Umgang mit der „NS-Glocke“ im rheinland-pfälzischen Herxheim.

 

„Eine Glocke kann nicht beliebig beschriftet werden“, sagte Conrad. Als liturgisches Gerät verkünde sie, was auf ihr stehe. Die Ausstellung ermögliche eine differenzierte Betrachtung. Die Hakenkreuzglocke sei damals als eindeutiges Bekenntnis zur Wiedervereinigung mit dem Deutschen Reich gesehen worden.

 

Museumsdirektor Simon Matzerath erklärte, dass 1920 klar gewesen sei, dass das Saargebiet wieder zurück zum Deutschen Reich wollte. Der Jurist Horst Rieth habe zu seinem Vorfahren, dem Pfarrer Ernst Rieth, und der Hakenkreuzglocke Nachforschungen betrieben. Er habe herausgefunden, dass die Glockengießerwerkstatt in Saarburg mit der damaligen Gemeinde mehrmals in Kontakt stand. Noch 1933 sei die Inschrift geändert worden. Zudem hätte die Gemeinde in einem Telegramm an Adolf Hitler und Paul von Hindenburg darauf hingewiesen, die erste „Hitlerglocke“ im Saargebiet zu haben. 

Die Hakenkreuzglocke sei Symbol und Mahnmal, betonte der Museumsdirektor.Das Objekt sei auch ein Hinweis darauf, dass der Nationalsozialismus und seine Gräueltaten in Familien, Dörfern und Städten immer noch mit Tabus belegt seien. epd

 

„Erbe und Auftrag? Die Glocken der NS-Zeit im Saargebiet“ ist eine Veranstaltung am Mittwoch, 12. Februar, um 19 Uhr in der Saarbrücker Ludwigskirche überschrieben. Sie wird gemeinsam von Dr. Joachim Conrad und Simon Matzerath gestaltet.  

BU: . Die Glocke ist nun erstmals öffentlich zu sehen. Foto: evks/ Paulus


Frank Matthias Hofmann

Beauftragter der Landeskirchen bei der Landesregierung


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