25. Januar 2021

Silja Pagel wird zur Prädikantin ordiniert: „Glaube in den Familien beleben“


Silja Pagel wird am kommenden Sonntag, 31. Januar, in Merzig zur Prädikantin ordiniert. Die gelernte Augenoptikerin und zweifache Mutter wird danach ehrenamtlich das Pfarrteam der Evangelischen Kirchengemeinde Merzig unterstützen.

Die Ordination bildet den Abschluss einer zweijährigen Ausbildung, in der grundlegende theologische und liturgische Kenntnisse vermittelt wurden. Mit ihr wird die 41-jährige ermächtigt, eigenverantwortlich kirchliche Amtshandlungen vorzunehmen. Das bedeutet, sie darf beispielsweise Taufen und Trauungen durchführen – und natürlich Gottesdienste feiern. Zukünftig wird die gelernte Augenoptikerin ehrenamtlich das Pfarrteam verstärken.

Pagel wohnt seit 2007 in Merzig. Eher zufällig entstand 2014 ein intensiverer Kontakt zur örtlichen evangelischen Kirchengemeinde: Der Posaunenchor suchte Nachwuchs, also trat Pagel bei, nahm Posaunenstunden bei Frank Paqué, dem Jugendmitarbeiter, der selbst Prädikant ist. Bald schon unterstützte sie die Sommerferienangebote der Kirchengemeinde und rückte ins Presbyterium nach. Dann das Aha-Erlebnis: Eine Stunde vor Beginn eines Gottesdienstes fiel der Pfarrer krankheitsbedingt aus. Statt abzusagen stellte Pagel spontan einen Wortgottesdienst auf die Beine. Das positive Feedback animierte sie dazu, die Prädikantenausbildung anzutreten.

Dass die Ordination wie geplant stattfinden kann, war zeitweise nicht sicher. Inmitten der Zurüstung kam ihr zweites Kind zur Welt. Doch aufzugeben oder zumindest den Kurs zu unterbrechen kam für Pagel nicht infrage. Ihr Mann unterstützte sie dabei, reiste mit ihr und den Kindern zu den Kurswochenenden, um ihr die Teilnahme zu ermöglichen.

So wird Pagel ab Sonntag regelmäßig in Merzig auf der Kanzel stehen. „Es ist mir ein Anliegen, Menschen dort abzuholen, wo sie sind“, sagt sie. Kirche müsse mehr zu den Menschen kommen. Um dieses Ziel umsetzen, möchte sie weiterhin ihre Ideen einbringen. Und davon hat sie viele.

So ging beispielsweise die Merziger Aktion „Andacht von draußen“, bei der Pfarrer und Prädikanten die Menschen bei sich zuhause besuchen und dort eine kleine Andacht im Garten oder Hof feiern, auf ihre Initiative zurück. Als Zielgruppe der Aktion sieht Pagel durchaus nicht nur ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Kirchen kommen könnten. „Für Familien mit kleinen Kindern ist es oft nicht möglich, Gottesdienste zu besuchen.“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Aber an einer Andacht teilnehmen, die vor der eigenen Tür stattfindet, das sei für viele eine schöne Abwechslung.

Und so ist ihr anderes Ziel auch ein persönliches: „Ich möchte den Glauben in den Familien beleben“, betont Pagel.

Die Ordination von Silja Pagel findet corona-bedingt nicht in der Evangelischen Friedenskirche, sondern in der katholischen Pfarrkirche St. Peter in Merzig, Propsteistraße 1, statt. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr. Da die Plätze begrenzt sind, ist eine Voranmeldung beim Evangelischen Gemeindeamt notwendig: Tel. 06861-6295, Mail: merzig@ekir.de.

 

Hintergrund:

In der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) können ehrenamtlich und beruflich Mitarbeitende nach landeskirchlichen Vorbereitungskursen ordiniert und in den Dienst der Prädikantin oder des Prädikanten berufen werden.

Neben der Gabe der Wortverkündigung sollen Prädikantinnen und Prädikanten über eine ausreichende Allgemeinbildung und biblische Kenntnisse verfügen sowie Verständnis für theologische Fragen zeigen und sich im kirchlichen Leben bewährt haben.
Sie hießen in der EKiR bis Anfang 2004 „Predigthelfer" oder „Predigthelferin“, heute hat sich die Bezeichnung Prädikantin oder Prädikant durchgesetzt.

Sie kommen aus allen Altersgruppen, Berufen und sozialen Schichten und tun ihren Dienst im strikten Sinne ehrenamtlich. Dabei tragen sie in der Ausübung ihres Predigtdienstes ebenso wie die Pfarrerinnen und Pfarrer den Talar.

Im Saarland gibt es auf dem Gebiet des Kirchenkreisverbands An der Saar aktuell 30 Prädikantinnen und Prädikanten.





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