09. November 2018

Mehrere hundert Saarländer bei Gedenkmarsch zur Reichspogromnacht


Mit einem Marsch durch die Saarbrücker Innenstadt haben mehrere hundert Menschen am 9. November an die Judenverfolgung in der Reichspogromnacht vor 80 Jahren erinnert.

Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen im Saarland, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, erklärte zum Auftakt, Erinnerungskultur sei nicht rückwärtsgewandt. 2018 hetzten Menschen ganz offen und "unmaskiert" in Internetforen gegen Juden, aber auch gegen andere Menschen. Auf offener Straße würden sie wieder beschimpft, angepöbelt und angegriffen. "Dem müssen wir entgegentreten. Wir wollen wachsam sein und nicht feige werden, wenn es gilt für Jüdinnen und Juden einzutreten", sagte Hofmann, als Sprecher der erst im Oktober gegründeten Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit Saarland (LAG).

 Der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde Saar, Richard Bermann, wandte sich gegen lauter werdende Rufe, "dass es nun mal genug sein müsse mit dem Gedenken an die Verbrechen vergangener Zeiten. Aber das geht nicht, weil man keine Teile aus einer Vergangenheit herauslösen und beiseitelegen kann", sagte Bermann. Nur mit dem "Gesamtwissen" könnten "Gefahren für unsere Demokratie und unser Menschsein" begegnet werden, betonte er: "Unsere Aufmerksamkeit muss wachsam bleiben, wenn es darum geht, mühsam erworbenes Kulturgut zu erhalten." epd

 

Die Teilnehmer folgten einem Weg, den 150 saarländische Juden am 9. November 1938 gehen mussten. Damals hatten SS-Angehörige die Juden aus ihren Betten gerissen und auf den Bahnhofsvorplatz geschleppt. Danach waren sie durch die Innenstadt, vorbei an ihrer brennenden Synagoge geprügelt und schließlich zum Saarbrücker Schloss gebracht worden, in dem sich damals der Sitz der Gestapo befand. Dort und im einige Kilometer entfernten Gefängnis Lerchesflur waren sie inhaftiert worden. Einer der Inhaftierten erlag wenige Tage später seinen Verletzungen, die anderen wurden ins KZ Dachau deportiert.

Auf dem daran erinnernden "Weg des Gedenkens" las die Schauspielerin des Saarländischen Staatstheaters Christiane Motter aus Texten von Zeitzeugen. Die Teilnehmer zogen zur heutigen Synagoge, wo anschließend ein Gedenkgottesdienst stattfand.

Landtagspräsident Stephan Toscani (CDU) betonte, gerade heute sei es wichtig die Erinnerung an die Shoa wachzuhalten. Er verwies nach einem vorab verbreiteten Redetext auf eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa für die Hamburger Körber Stiftung. Danach wussten nur knapp die Hälfte der im vergangenen Jahr befragten 14- bis 16-Jährigen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis im Zweiten Weltkrieg war.

 





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